Mittwoch, 9. Februar 2011

Lost in London

Es folgt ein Reisebericht.

Da wir durchaus spontane und von Grund auf unkomplizierte Menschen sind, die beim Thema Planung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, haben wir uns gedacht, Mensch, lass uns einfach einen Flug buchen und dann ist gut, der Rest findet sich dann vor Ort! Ich persönlich war ja schon mal in London und dachte mir, hach, das wird super, Hotels wie Sand am Meer jede Menge zu sehen, dit wird jut!


So starten wir also, ohne Plan, ohne Stadtkarte, ohne eine reservierte Unterkunft.

Aber glücklich.


Samstag, 17.07.2010, Ortszeit 08:00 Uhr

Wir betreten den Flughafen in Lübeck und sind zunächst überrascht. Denn das Wort Terminal und Flughafen mit diesem „Ort“ in Verbindung zu bringen fällt dem aufmerksamen Betrachter auf den ersten und auch den zweiten Blick eher schwer. Dieser erste Eindruck bessert sich nicht als Passagierlisten in Papierform mit grünem Textmarker der Marke Pelikan abgestrichen werden und wir durch die Sicherheitskontrolle laufen. Weit und breit keine digitalen Anzeigetafeln.

Ich bin nun offiziell verwirrt als wir das „Terminal“ betreten und uns zum Boarding bereit machen. Ich stehe tatsächlich in einem Zelt. Groß, mit Stahlträgern und Glastüren, aber dennoch ganz eindeutig ein Zelt. Ich rede mir ein, dass das sicher nur eine Übergangslösung ist, bis der Flughafen fertig ist und glaube ganz fest daran, dass dieser Zustand in keinster Weise in Assoziation zu den Flugzeugen geschweige denn dem Können des Piloten gebracht werden sollte. Ich bleibe ruhig. Und, ja, ich habe Flugangst.


So, eine Tür wird geöffnet wir dürfen über den Start- und Landeplatz zum Flugzeug gehen. Ich sitze drin, mein Puls: nicht messbar, würde am liebsten fliehen, reiße mich zusammen und starre einfach geradeaus vor mich hin, das würde helfen wenn dort nicht die Anweisungen hingen, die mir erklären was im Falle eines Absturzes zu tun sei. Beatmungsmasken, Rettungswesten… Wilde Szenarien von abbrechenden Tragflächen und brennenden Turbinen hämmern sich in meinen Schädel… Und dann noch dieser Satz: „In dem äußerst unwahrscheinlichen Fall eines Absturzes…“ AAHHHHH. Jemand hält meine Hand und lächelt mich an, langsam kann ich mich beruhigen… Und um die Spannung vorweg zu nehmen: Ja, ich habe überlebt!


London, Ortszeit 10:00 Uhr

Wir sind gelandet!

Die Sonne lacht, der Flughafen Stansted sieht auch aus wie ein Flughafen, Gepäck ist auch da und ich habe überlebt! Läuft also.

Und nun nahm unser Schicksal seinen Lauf. Wir haben erstmal die super Idee uns einen Mietwagen zu besorgen, links fahren ist bestimmt witzig! Na klar, Schatz, bestimmt sogar.

Also, ab geht’s, natürlich gab es keine Kleinwagen mehr, egal, war hat der kann. Aufgeregt und ungeduldig nahmen wir unseren Vauxhall Insignia entgegen. Wie bereits erwähnt hatten wir weder Karte noch einen Plan. Wir kommen schon zurecht. Datenroaming hin oder her, wird schon alles ausgeschildert sein. Also los – Möge die Macht mit uns sein. Und wenn nicht , möge Google mit uns sein.


In der City angekommen, alles kein Problem. Nur etwas eng und, naja, alles auf der falschen Seite, irgendwie. Aber ich muss ja nicht fahren.

Zu erst wollen wir uns die Tower Bridge ansehen, von dort kommt man ja auch zu Fuß ganz super überall hin. Ein Katzensprung. Parkplatz? Is hier nicht so mit Parkplätzen, aber hey, wir sind aus Berlin, damit können wir umgehen. Gesagt, getan! Wir finden uns wieder im Wedding von London. Als wir uns auf in Richtung Themse machen, fragen wir uns pausenlos ob hier wirklich jemand wohnt?! Man kennt ja die typisch britischen Reihenhäuser, die an sich schon sehr, sagen wir, minimalistisch gebaut sind. Und nun stellt euch diese Häuser einfach nochmal eine Nummer kleiner vor, wir sind quasi im Auenland, nur dass es hier keine Hobbits gibt und es weniger schön aussieht. Erschrocken von diesen Anblicken und zugleich fasziniert erreichen wir unser Ziel! Natürlich haben wir typisch britisches Wetter: grau und windig. Macht nix, wir sind in London und stolz drauf! Erstmal frühstücken, ich entscheide mich für typisch europäisch – Sandwich. Meine bessere Hälfte will das volle Great Britain-Programm und nimmt Toast, Bohnen, Bacon und Spiegelei. Gesund ist anders.

Beim Spazieren über die Tower Bridge in Richtung London Tower, fällt auf dass wir leider nicht die einzigen Menschen waren, die die super Idee hatten übers Wochenende nach London zu jetten. Naja nachdem wir uns durch alle Nationen der Welt unseren Weg gebahnt haben stehen wir vor dem London Tower und stellen fest, dass die Brücke dazu doch beeindruckender ist, als dieser alte Flachbau.

Beim Blick über die Themse bleibt man dann aber doch erstmal ehrfürchtig stehen, London ist eine grandiose Mischung aus wunderschönen alten und hochmodernen Gebäuden. Abgesehen von unserem Parkplatz in Klein-Wedding, ist hier alles einfach schön, sogar die Straßenschilder. Wundervoll.

Weiter geht’s zur St. Pauls Cathedral, da gibt’s nämlich einen Info-Stand mit kostenlosen Stadtkarten, denn so langsam wollen auch die Planlosen einen Plan haben. Auf dem Weg dorthin treffen wir auf die „Pudding Lane“ – mmmhhh lecker, die verrückten Briten, in Good Old Germany würde niemand auf die Idee kommen eine Straße „Pudding Straße“ zu nennen, das wäre viel zu albern, doch die Briten haben halt Eier, die ziehen das durch.

Nachdem wir uns nun ein Bild vom großen Ganzen gemacht haben und wissen wohin wir noch wollen und was wir lieber auf den nächsten Tag verschieben, machen wir uns auf nach Southwark. Da gibt’s eine Underground Station, denn den ganzen Weg zurück zum Auto laufen will niemand mehr. Angekommen wird’s erstmal schwierig die richtige Karte zu kaufen, nach vielem Hin und Her bezahlen wir für eine Einzelfahrt über 2 Stationen 8 Pfund für 2 Personen. Jetzt können wir uns auch erklären warum es hier so leer ist.

Wir haben tatsächlich unser Auto wiedergefunden und es ist weder abgebrannt, noch hat man uns die Reifen gestohlen. Jetzt freuen wir uns auf unser Hotel, ach ja, da war ja was, erstmal müssen wir eins finden. Los geht’s in Richtung: Hydepark, da ist es sicher schön. Dort angekommen überdenken wir unsere Hotelwahl noch einmal und entscheiden uns etwas aus der Stadt rauszufahren. Denn, in keines der Hotels dort hätte man mich überhaupt über die Schwelle treten lassen, roter Teppich, Türsteher in teuren Anzügen und ganz wahrscheinlich unbezahlbar.

So fuhren wir quer durch die City - war ne ganz blöde Idee. In London gibt es glaube ich mehr Straßen als Ratten und mehr Autos als Einwohner. Nach ungefähr 3 Stunden haben wir es endlich geschafft aus dem Zentrum rauszukommen und uns in Richtung Norden zu begeben. Blöd war jetzt nur, dass unser toller kostenloser Stadtplan nur für „Central London“ gedacht war. Ab jetzt waren wir auf uns gestellt. Nun war Google an der Reihe uns zu sagen wo wir waren und wo es hingehen sollte. Hach und wie gut das funktionierte. Dennoch weit und breit kein Hotel in Sicht. So langsam war die Stimmung etwas angespannt. Und dann kam auch noch eine SMS von T-Mobile: Die Kosten für Datenroaming haben 20 € überschritten. Na super! Tschüss Google, Tschüss Orientierung. Am Rande der Verzweiflung hielten wir an einer Tankstelle, da gab´s dann erstmal einen Stadtplan, von GANZ London. Und ich hab mich fürs Team geopfert und den Tankwart erstmal gefragt wo wir überhaupt sind und wo ein Hotel ist. Immer geradeaus und dann rechts, na das klingt leicht. Denkste. Nach einer halben Stunde waren wir wieder an besagter Tankstelle. So, jetzt reicht´s, inzwischen sind fast 4 Stunden vergangen, wir haben Hunger, Durst, sind müde und genervt und immer noch kein Hotel in Sicht. Scheiß auf Datenroaming über 20 €, einmal noch eine Hotelsuche starten. Los geht’s, das nächste Hotel war nur wenige Kilometer entfernt und die hatten genau noch ein Zimmer frei. Hart Gas in Richtung Regents Park Street.

Ein Dank geht an dieser Stelle an unseren neuen Begleiter und treuen Freund, dem Stadtplan.


Holiday Day Inn Ortszeit 21:30

Wir sind endlich in einem Hotelzimmer, Betten, Dusche alles da!

Jetzt muss nur noch das letzte Problem für diesen Tag gelöst werden. Essen. Das einzige brauchbare in der Nähe: KFC. Das ist in Great Britain noch ekliger als bei uns. Hier werden die Hühner einfach in 4 Teile gehackt, frittiert und in einen Eimer mit widerlichen Pommes geschmissen. Keiner weiß wirklich was er da isst. Deswegen steht auch auf den Speisekarten nur „pieces“ (Teile) weil nicht mal die Mitarbeiter dort wissen welches Teil vom Huhn da verspeist wird.


Tag 2:

Erholt, einigermaßen ausgeschlafen und zuversichtlich. Denn für heute haben wir einen richtigen Plan. Wir stellen das Auto an einer Underground Station etwas außerhalb der City ab und fahren dann mit den guten alten Öffentlichen! Also der Fahr-Stress wäre schon mal erledigt.

Im Hyde Park angekommen wollen wir uns von dort aus nach Covent Garden durchschlagen, schließlich wollen wir den Ort sehen an dem Dorian Grey gewohnt hat.

Wir haben wunderschönes Wetter und sind guter Dinge. Hier ist es wirklich unglaublich schön und entspannt. Sowas nenne ich mal einen Park! Sorry, Berlin(ick liebe dir trotzdem), aber das haben die Briten drauf. Man hat das Gefühl das hier alles nur so von Denkmälern und architektonischen Meisterwerken strotzt. Beim Anblick des Albert Memorial stockt einem kurz der Atem, der Typ muss ein ganz Großer gewesen sein. Ach ja, der geliebte Ehemann von Königin Victoria. Sorry Baby, ich muss wohl erst Königin werden um dir auch so etwas Schönes zu bauen. Wird wohl vorerst nichts. Aber verdient hättest du es.

Raus aus dem schönsten Park der Welt und direkt zum Buckingham Palace. Der Weg dorthin ist wie gewohnt anmutig und gesäumt von Denkmälern.

Und nun geht’s auf zum London Eye. Ich sollte erwähnen dass ich Höhenangst habe, egal, ich hab versprochen dass ich das mitmache. Vom weiten sieht´s auch gar nicht schlimm aus. Ich bin schließlich hierher geflogen, also wird das ja wohl ein Kinderspiel.

War blöd merkste selbst, ne?! Das Teil ist wirklich unglaublich hoch und ich denke natürlich sofort an James Bond und abfallende Kabinen. Nun gut ich entschließe mich das jetzt durchzuziehen. „Leider“ warten geschätzte 2 Millionen Menschen davor und wir verschieben das auf den nächsten London Trip. Dafür besuchen wir das Londoner Film Museum. Wirklich sehenswert. Original Kleidung von Batman, Fantastic Four und alles was das Herz begehrt. Sogar eine Star Wars Abteilung! Was will man mehr?! Überraschend witzig war auch die Comic Galerie. Dort kann man Spongebob als Ölgemälde in den verschiedensten Variationen sehen, als Van Gogh, als Picasso und natürlich Leonardo Da Vincis „Der vitruvianische Mensch“.

Da beide Handys den Geist aufgegeben haben wissen wir nicht wie spät es ist und ich blamiere mich ganz furchtbar als ich jemanden nach der Uhrzeit frage und der mich nur auslacht und meint ich solle doch die große Uhr dort drüben am anderen Ufer nehmen , der Big Ben, direkt vor mir! Ja, ja, witzig, der blöde Touri, naja wenigstens hab ich die Briten zum Lachen gebracht.

Einer meiner Lieblingsplätze fehlt noch: Trafalgar Square. So lassen wir uns also von einer Fahrrad-Rikscha dorthin chauffieren, für 15 Pfund, egal Faulheit siegt.

Am Trafalgar Square erwartet uns eine große Kundgebung mit tausenden Leuten, die gegen Apartheid in Zypern demonstrieren. Auch schön, wir setzen uns vor die National Gallery und lauschen der Menge. Der Sprecher trägt Anzug und auch die Demonstranten sehen alle friedlich aus, zünden keine Autos an oder prügeln aufeinander ein. Polizisten sind weit und breit nicht zu sehen. Beeindruckend.

Zum Abschluss dieses schönen Tages besuchen wir die National Gallery, der Eintritt ist frei. Ich bin glücklich und zufrieden diese wunderbare Kunstsammlung bestaunen zu können.


So und nun folgt der letzte Akt. Eine Underground Station finden, zurück zum Auto fahren und noch einmal ein Hotel finden. Nach 8 Stunden auf den Beinen wollen wir einfach nur noch in ein Bett. Meine Füße spüre ich inzwischen nicht mehr. Egal das einzige was zählt ist die Mission. Und natürlich gibt es in der U-Bahn keine Sitzplätze mehr, naja die halbe Stunde werden mich meine Füße auch noch tragen. Endlich am Auto machen wir uns, clever wie wir sind, gleich auf in Richtung Flughafen in der Annahme dort ein Hotel zu finden. Am nächsten Morgen geht der Flug schließlich schon um 6:50 Uhr und wir müssen vorher noch den Mietwagen abgeben, von viel Schlaf kann also nicht die Rede sein. Und diesmal haben wir Glück, der Flughafen ist super ausgeschildert, Hotels gibt es auch in Stansted, alles wird gut.

Nach 4 Stunden Schlaf machen wir uns auf zum Terminal, ein Katzensprung, und fliegen zurück nach Hause. Völlig fertig aber dennoch glücklich.


Fazit: Wer entspannt nach London reisen will sollte folgendes nicht tun:


Erst dort ein Hotel suchen

Einen Mietwagen nehmen

Bei KFC essen


Somit spart man eine Menge Zeit, die man viel sinnvoller für all die tollen Orte in London verwenden kann. Ein Abenteuer war es allemal und wenn man Humor hat kann man auch 5 Stunden planlos und völlig verloren in einer fremden Stadt überleben.

Sonntag, 6. Februar 2011

Kinder sind was schönes

Neulich in der Tram:

Die M4 gibt am späten Nachmittag eine gute Bühne für die alltäglichen Szenen des Lebens, jede Menge Publikum, keine freien Sitzplätze und einen Akteur der laut und deutlich durch den gesamten Wagon zu hören ist. Vorhang auf:

Benjamin, ca. 5 Jahre alt, und sein Papa sitzen vor mir und diskutieren lautstark darüber warum man in der Straßenbahn nicht so lärmend sein darf wie auf dem Kindergartenspielplatz.

Benjamin: “Warum soll ich leise sein?”

Papa: “Weil es alle anderen auch sind!”

Eine Anmerkung an dieser Stelle sei erlaubt: Selbst ein Fünfjähriger hält diese Lemminge-Theorie für unschlüssig und lässt sich davon nicht beunruhigen, schließlich ist das kein Argument, mit dem Papa da um die Ecke kommt.

Benjamin, ein Freund der Konversation, wird es nicht leid lautstark vor sich hin zu brabbeln und die Geduld seines Papas zu strapazieren, der inzwischen damit droht: “Du bekommst nachher kein Eis!” Da horcht Benjamin doch auf, schließlich wird ihm hier mit Zuckerentzug gedroht. Benjamins plausible und einfache Antwort: “Doch!” Mit diesem Wort wendet er sich ab und widmet sich seiner neuen Lieblingsbeschäftigung: Die beschlagene Scheibe mit dem Gesicht frei wischen. Begeisterung löst das allerdings nur bei ihm aus, Papa droht weiter mit Eis-Entzug. Das kann der kleine Mann nicht auf sich sitzen lassen, sieht dem Papa ins Gesicht und ihm fällt bei näherer Betrachtung auf: “Papa, du hast da ein Popel!”

Der Schock sitzt tief, Benjamin hat bei dieser Bekanntmachung seine Lautstärke keinesfalls gesenkt. Diskretion ist nicht so seins…

Das Publikum, zwischen Fremdschähmen und verhaltener Schadenfreude, richtet nun seine gesamte Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse, der Spannungsbogen ist inzwischen strapazierter als trockene Haut im Winter.

Papa greift verlegen an seine Nase und erwidert: “Das stimmt doch gar nicht.”

Aber Benjamin, ein aufmerksamer Beobachter seiner Umwelt, stellt fest: “Doch, jetzt ist er an deinem Finger!” Stille - ein epochal peinlicher Moment, dem viele Zuschauer versuchen mit geheucheltem Desinteresse zu entrinnen. Es geht weiter, Papa versucht Benjamin weiterhin als Lügner hinzustellen, dieser will seinen Standpunkt nicht loslassen und sucht nun den Beweis: “Doch du hast da einen Popel und der ist jetzt an deinem Finger, los, zeig doch mal den Finger!!!” Ich kann mich vor lachen kaum noch halten, das Publikum sucht gemeinsam, dennoch weniger auffällig als Benjamin, nach besagtem Beweisstück. Unser junger Sherlock Holmes geht in die Offensive und stürzt sich auf den Beschuldigten und dessen Finger und wird es nicht müde lautstark zu verkünden an welchem Finger sich Beweisstück A befindet. Um die Verhandlung abzubrechen und dem ganzen ein jähes Ende zu setzten hat Benjamin nun sein Recht auf ein Eis endgültig verwirkt und Vater und Sohn verlassen unter verstohlenen Blicken aller Anwesenden die Tram.

So wird das arme Kind für Ehrlichkeit bestraft, ob das eine pädagogisch wertvolle Maßnahme war? Bleibt nur zu hoffen das klein Benjamin auf seinem weiteren Lebensweg für die Wahrheit doch noch das eine oder andere Eis spendiert bekommt…


Montag, 17. Mai 2010

Love, oh, Love

„Ohne die Liebe anderer können Sie physisch nicht überleben“ – Ron Smothermon

Wie wahr. Ich bestehe nicht nur aus Fleisch und Blut, nicht nur aus Zellen, nicht nur aus Materie. Alles was das zusammenhält ist nicht meine Haut, sind nicht meine Knochen, nein, das alles hält meine Seele zusammen. Das ist nichts Greifbares und auch nichts was man irgendwie BEgreifen kann, doch es ist genauso real wie ich selbst, so real wie meine Fingerspitzen die gerade meine Tastatur berühren. Etwas zu spüren, ist erklärbar, Nervenenden geben ein Signal ans Gehirn, die Info dass ich grad hier rumtippe springt von Synapse zu Synapse, in sekundenschnelle. So schnell dass man die Geschwindigkeit gar nicht fassen kann. Doch ein Gefühl, eine Emotion, die kann ich nicht einfach selbst bestimmen, hervorrufen, die kann ich nicht einfach von Synapse zu Synapse weiterleiten und dann sagt man mir was los ist. Nein ein Gefühl ist unbeschreiblich, viel komplexer und dauert manchmal ein Leben lang bis man es begreift, bis man weiß was es wirklich bedeutet.

Liebe ist das schönste und zugleich furchtbarste Gefühl dass es gibt, du hast keinen Einfluss darauf, keine Kontrolle. Und das Beste daran ist, es ist dir egal. Scheißegal. Warum etwas kontrollieren wollen dass dir alles geben kann, alles schenken kann und nichts weiter dafür verlangt. Du musst nicht verhandeln du musst nicht bitten, einfach lieben. Einfach leben.

Jeder Atemzug schmeckt wie Zuckerwatte, wenn du die Liebe gefunden hast. Zu wissen dass dein Herz jetzt ganz allein sein Ziel gefunden hat. Ohne selbst bewusst nach der „großen Liebe“ zu fahnden, ohne lange nachzudenken, ohne viel Bla Bla. Mein Herz hat es einfach gewusst. Ich musste gar nichts tun, einfach da sein, einfach existieren. Es klingt so einfach. Aber der Moment in dem DER Mensch auftaucht, erschlägt einen fast, ohne Vorwarnung. Der Ohnmacht nahe weiß man gar nicht warum jetzt die Welt stehengeblieben ist, warum auf einmal alles ganz warm und schön und richtig ist. Ein einziger Augenblick, eine tausendstel Sekunde und dein Schicksal ist besiegelt.

Ich bin angekommen. Ich bin bei dir und du bei mir. Wir sind vollkommen.

Montag, 10. Mai 2010

Sendepause

Von wegen Fernsehen macht dumm!

So manche Reality Serie bringt doch erstaunliche Erklärungsversuche an den Tag wenn es darum geht dem achtjährigen Sohn zu erklären warum sich Mama und Papa so oft streiten. Da bedient sich Mama (arbeitslos und übergewichtig) gern mal einer wundervoll eleganten Metapher: "Der Papa isst halt lieber Falafel und die Mama Fischstäbchen." (wichtige Anmerkung hierzu: Der Papa ist Moslem, die Mama Deutsche und demnach Christin - wird direkt vorausgesetzt)

Merke:
Deutsch= Christ
Türkisch=Moslem

Also wirklich. Wie grauenhaft! Das arme Kind. Hier wird doch propagiert: Unterschiedliche Vorlieben erzeugen Konflikte. Toll das hat der arme Kerl nun heut gelernt. Kinder wissen doch heutzutage in dem Alter schon mehr über Sex als die eigenen Eltern, sehen im Fernsehen abgerissene Körperteile und Kopfschüsse, kennen sich im World Wide Web genauso gut aus wie Marcel Reich-Ranicki mit Büchern. Und Mutti will ihren Jungen hier noch für dumm verkaufen.

Bildung wird auch im Abendprogramm von Pro Sieben GROß geschrieben. Da erfahren wir täglich vom Experten für Fettleibigkeit, in Fachkreisen Jumbo Schreiner genannt, wie wir soviel Nahrungsmittel wie möglich das Klo runterspülen können. Ja super, eine 3000 Meter lange Bratwurst, wozu?! Was will man uns damit sagen? Riesige Kuchen, 5-Kilo-Steaks, die kein normaler Mensch allein essen kann. Nur um Sendezeit zu füllen, oder was?! Und als wäre die Animation zur Nahrungsmittelverschwendung nicht schon schlimm genug, werden uns als nächstes noch sinnfreie „Experimete“ vorgeführt. Schlecht recherchierte Beiträge geben einen dann noch den Rest. Zum Beispiel werden Erdbeeren als Beerenfrucht bezeichnet, der Mond wäre ein Planet und zu allem Überfluss wird auch noch behauptet dass die Farbe von Hühnereiern von deren Federfärbung abhängig ist. Uaahhh, gruselig.

Und wer jetzt glaubt wir sind am Gipfel der Idiotie angekommen, der irrt. Denn jetzt wird’s richtig wissenschaftlich, richtig spannend und richtig… ja sagen wir ganz plump, richtig dumm. Begeben wir uns gemeinsam mit A. Abdallah auf eine Reise in unerforschte, ja, nie zuvor betretene Gefilde. Da werden dann „Experten“ aus aller Welt zusammengerufen um Fragen wie „Vampire - Gibt es sie wirklich?“ oder „Steckt der Teufel wirklich in jedem von uns?“ zu klären. Es bleibt spannend.

To be continued.

Fußnote! (Ein Bericht)

Eine Marketing-Vorlesung, kann so viel mehr sein als einfach nur Information und Weitergabe von Wissen. Großartig, dass es solche Dozenten gibt! Wir hören uns heut einfach mal an was der beste Prof ever zu sagen hat! Hier eine Ansammlung seiner Stilblüten, die zwischen unglaublich klugen Worten einfach nur unfassbar entzückend sind. we love to be entertained by you.

Wir steigen ein mit dem Thema Marktpotenzial.
Herrlich wie er wieder loslegt. "So jetze mal unter uns Brüdern und Schwestern, pro Kopf Verbrauch is watt schönes!", ja wo er recht hat, wir lieben doch alle Statistiken, schön is auch, wir Deutschen verbauchen 9 Kilo Schokolade im Jahr, pro Kopf versteht sich, also bei mir isses sicher das Doppelte! Weiter erfahren wir, dass es bei den Chinesen nur 120 Gramm pro Jahr pro Kopf sind!!! Was ist denn da los? Deswegen sind die alle so dünn, weißte Bescheid. Oder mit Prof. Dr. E.´s Worten: "Falls Sie dit noch nich jeschnallt haben".
"Ahhh, warte mal, ich fang mal so an", wo wir grad bei China sind, bekannt als Schwellenland, hat uns der Professer nur folgendes zu sagen: "Infrastruktur - oh Jott!"

Dann gabs auch direkt eine seiner berühmten Storys (davon gibts pro Vorlesung gefühlte 100), die immer wie folgt angekündigt werden: "Fußnote! So jetze erzähl ich mal ne Story. Nein, die is nich klausurrelevant, sie könn sich zurücklehnen, aber halten se den Mund."
An seiner alten Universität gabs einen Mathematik-Professor, der war "der Best-Gehasste Mann" dort, einfach weil der Spaß daran fand, wie er meinte "die Spreu vom Weizen zu trennen", was soviel bedeutet wie: ich lass die Hälfte durchfallen. Er hatte dann wohl son "Gentlemen -Agreement" mit dem Typen, dabei musste er "alle seine Daten und Skalierungen vor dem entblößen", wollen wir hoffen dass es nicht noch mehr war! Gebracht hats dann wohl doch nichts, der mathe Prof. war einfach ein eingefleischter Sadist.

Nun wollen wir auch wissen anhand welcher Faktoren man Standorte für Firmen aussucht, die werden blitzschnell überflogen "peng! So schnell sind Sie dabei." Beim Thema Ökologie legt er dennoch eine kurze Pause ein um uns folgendes mitzuteilen: "Öko, och nee, dit steht in jeder Zeitung das hängt mir jetzt zum Hals raus, das lassen wa mal!" - na das ist dann wohl auch nicht klausurrelevant.

Weiter erhlaten wir erstklassigen Englischunterricht. Thema Marktforschung. "Dit heißt panel (sprich: [ˈpænl]), nicht Panel, dit könn se bei Obi kaufen! Allet klaro?!" Ach so, ich dachte schon...
So das solls für heut gewesen sein. Ich verabschiede mich ins "Internet, das ist Sekundärforschung pur!"









Freitag, 30. April 2010

Berlin

My Heart is yours
Dreckig und schön, elektrisierend und deprimierend, schamlos, und doch so sexy.
Alterslose Schönheit, eine Symphonie des Lebens, ohne Anfang, ohne Ende.

Keine Zweifel, nur Sein...
Hinter jeder Fassade eine Wahrheit die vielleicht doch nur Lüge ist.
Ein riesen großer Maskenball. You could be whatever you want.

My mind floats weightless in your vacuum. - Ich bin verliebt und ziellos. Atemlos. Verführst mich pausenlos, lässt mich frei sein und hälst mich doch gefangen.

But my mind is free.

Frei zu denken, zu fantasieren, zu realisieren, ich atme deine Schönheit ein, meine Blutbahnen verwandeln sich in bunte Lichterketten voller Energie.
Ich strahle. Deine Schönheit ist meine, dein Schmutz klebt an mir, ich klebe an dir. Du ziehst mich an, ich zieh mich aus. Warmer Regen aus Inspiration, Wut, Hass und Liebe lässt mich auferstehen, neu entstehen.
Ich bin jeden Tag eine andere und doch immer dieselbe, so wie du!

Glücklich.

Donnerstag, 29. April 2010

prejudices

Hab mich grad dabei erwischt wie ich muslimische Mädchen gedanklich nach Sprengstoff absuche, überlege den Sitzplatz zu wechseln um die Explosion nicht aus nächster Nähe abzubekommen.

Muslimisches Mädchen hat hektisches Augenzucken, werde nervös.

Bilde mir ein dass das Mädchen nicht einfach nur fett ist sondern die Jacke voller Sprengstoff hat.

Kein Augenzucken mehr... Dafür plumpes Kauen auf der Unterlippe. Was hat das denn zu bedeuten?! Kein Sprengstoff also, sondern irgendne verschissene Bio-Waffe die die Haut schmilzen lässt. Ich Stelle mir einen Zug voller geschmolzener Innereien vor...
Was für eine Sauerei.

Nein, ich bin nicht paranoid. Nur gedanklich schon 1000 Schritte weiter als alle anderen.

Das Mädchen steht auf und sieht aus dem Fenster. Hat sie von draußen ein Zeichen bekommen?! Ja? nein? vielleicht? Uah... Verliere den Überblick.
Sie sitzt wieder. Na toll jetzt zuckt ihr Fuß... Also Doch Sprengstoff! Alarm zurück wir schmelzen nicht, dann doch der Klassiker- abgerissene Körperteile.

Der Zug fährt los... Angst - ich will raus, raus, raus, raus, raus, raus...

Sie telefoniert... Sie will sich Samstag mit jemanden treffen... Keine Explosion. Keine abgerissenen Körperteile und geschmolzen bin ich auch nich...

Naja is wohl doch einfach nur ein kleines, fettes, 14jähriges Mädchen das Zug fährt. Sachen gibt's...

Aber an sich hab ich keine Vorurteile, nein. Oder doch?! Ich bin gegen Ausgrenzung anderer ethnischer Gruppen, ich bin gegen Diskriminierung anders Farbiger, ich bin für Gleichberechtigung in jeder Hinsicht.
Sagt man doch so... Find ich zumindest gut.

Schön wie man sich selbst belügen kann, ohne rot zu werden, dann hat man schon Prinzipien und dann werden die von dieser bösen Gesellschaft über den Haufen geworfen. Denn laut einschlägigen Psychologen und "Experten" wird man ja überwiegend von dem gesellschaftlichen Umfeld geprägt in dem man lebt! Böses Umfeld.
Ach ja wir wollen alle so tolerant sein, so sehr die Welt retten, den armen geben, den reichen nehmen,bla bla bla.

Pah! Nix da. Ohne Sinn und Verstand wird erstmal jeder abgestempelt.

Kopftuch-zack! Terrorist!

Und am Ende sind wir die Opfer unserer Gesellschaft! Bullshit!!!
Verwahrlost sind wir, weil wir andere für uns denken lassen.
Dumm, weil wir uns kein eigenes Urteil bilden.
Und blind, weil wir nur das sehen was was wir sehen wollen, weil wir jemanden beschuldigen wollen,weil wir selber keine Schuld und keine Verantwortung auf uns nehmen wollen.

Zack! Abgestempelt!